Landschaftspflege

Als Fachgutachten des Naturschutzes stellt der Landschaftsrahmenplan von 1998 dar, wie Natur und Landschaft aus der Sicht des Naturschutzes zu bewerten sind und welche Maßnahmen zur Erhaltung und Entwicklung von Natur und Landschaft ergriffen werden müssen. Die Zielvorstellungen des Landschaftsrahmenplans bieten ein Leitbild, an dem sich künftige Planungen orientieren sollen.

 

Inhaltlich trifft der Landschaftsrahmenplan Aussagen
 

  • zum gegenwärtigen Zustand von Natur und Landschaft im Hinblick auf die Schutzgüter Arten und Lebensgemeinschaften, Landschaftsbild, Boden, Klima, Luft und Wasser sowie den voraussichtlichen Änderungen,

     

  • zu schutzwürdigen Teilen von Natur und Landschaft, wie Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten, Naturdenkmalen, geschützte Landschaftsbestandteilen,

     

  • zu den aus der Sicht des Naturschutzes erforderlichen Maßnahmen für Schutz, Pflege und Entwicklung von Natur und Landschaft,

     

  • zu Maßnahmen des besonderen Artenschutzes.


Darüber hinaus entwickelt der Landschaftsrahmenplan Zielvorstellungen zu Anforderungen an andere Nutzergruppen und Fachverwaltungen bei der Umsetzung der Naturschutzziele.

Die Inhalte des Landschaftsrahmenplans sind in weiten Teilen in das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises Göttingen übernommen worden.

Der Landkreis Göttingen bietet den Landschaftsrahmenplan seit dem 03.02.1999 der interessierten Öffentlichkeit an. Das Werk umfasst einen Textteil von ca. 700 Seiten und einen Kartenteil mit 26 Textkarten und 7 Auswertungs- und Maßnahmenkarten.

Zur Entwicklung bzw. Wiederherstellung naturnaher Lebensräume betreibt der Landkreis Göttingen mehrere Projekte:

  • “Seeanger” zwischen Seeburg und Ebergötzen: Ankauf von Acker- und Grünlandflächen, um einen ehemaligen See wiederzuvernässen und den Bach “Aue” zu renaturieren. Ziel des Projektes ist außerdem, die Verlandung des Seeburger Sees zu stoppen. Weitere Informationen finden Sie im Faltblatt Seeanger.
  • Wiederanstau des Sees “Lutteranger” nordöstlich Seeburg. Der See war viele Jahrzehnte durch einen Entwässerungsstollen vollständig trockengelegt. Bis heute ist zumindest ein Teil der natürlichen Seefläche wiederhergestellt.
  • Renaturierung der Suhle: Renaturierung eines Baches im Untereichsfeld, dessen Aue teilweise noch sehr nasses Grünland aufweist. Der Bach ist vielfach stark begradigt. Durch Ankauf von Flächen und extensive Grünlandnutzung ist die Bachaue bereits deutlich artenreicher geworden. Auch wurde die Uferbefestigung vielfach zurückgebaut, so dass die Dynamik des Baches wieder Uferstrukturen schaffen kann.
  • Artenschutzprojekt Ballertasche: eines der letzten Vorkommen der Gelbbauchunke in Niedersachsen soll in diesem Kiesabbaugebiet erhalten und gefördert werden. Weitere Informationen finden Sie im Faltblatt Ballertasche.
  • Naturnahe Entwicklung des alten Bahndamms Göttingen-Dransfeld-Scheden. Diese stillgelegte Bahntrasse wurde dem Landkreis Göttingen übereignet, so dass hier artenreiche Magerrasen und Gebüsche erhalten und entwickelt werden können.
  • Informationen zum Projekt "Naturschutz mit Pferden" finden Sie im Faltblatt Hühnerfeld.
  • Renaturierung der Niememündung: Renaturierung eines Baches südlich von Bursfelde, dessen Mündungsbereich in die Weser stark begradigt und mit Querbauwerken versehen war. Durch Ankauf von Flächen konnte ein neuer Bachlauf angelegt werden, der z.T. wieder dem ursprünglichen Verlauf entspricht und mit wenigen technischen Bauwerken auskommt. Dadurch wurde der Mündungsabschnitt in einen naturnahen, ökologisch durchgängigen Zustand versetzt und die Eigendynamik des Gewässers unterstützt. Weitere Informationen finden Sie im Faltblatt Natur erleben! Nieme entdecken!
    Kontakt für Führungen: Niehaus-Umwelt-Consulting / Bursfelde, Frau Niehaus-Übel, Klosterhof 16, 34346 Hann. Münden - Bursfelde, Telefon: 05544 940819 oder nuc-forstplanung@t-online.de.

Viele für den Naturschutz wertvolle Lebensräume, wie Magerrasen, mesophiles Grünland, Feuchtwiesen und Kleinseggensümpfe sind durch extensive bäuerliche Nutzung entstanden.
 

Diese Biotoptypen sind besonders reich an Tier- und Pflanzenarten, da die Flächen nie oder selten gedüngt wurden. Außerdem wurde die Vegetation regelmäßig durch Mahd oder Beweidung kurz gehalten. Dies fördert viele sonst konkurrenzschwache Pflanzenarten und daran angepasste Tierarten. Diese Art der Nutzung ist heute aus landwirtschaftlicher Sicht nicht mehr rentabel, daher wurde sie in den letzten 50 Jahren entweder aufgegeben oder intensiviert: Magerrasen und Feuchtwiesen wurden z. B. in artenarmes Intensivgrünland umgewandelt. Dort wo die Nutzung ganz aufgegeben wurde, ging der Artenreichtum ebenfalls zurück, da sich hier meist wenige konkurrenzstarke Pflanzenarten durchsetzen (z. B. Fiederzwenke oder Schlehe auf Magerrasen, Schilf oder Mädesüß auf Feuchtwiesen). Um solche Flächen mit ihrem noch erhaltenen Arteninventar zu sichern, betreibt der Landkreis Göttingen seit 1988 Vertragsnaturschutz. Es werden Verträge mit Landwirten geschlossen, die gegen einen Zuschuss des Landkreises solche wertvollen Flächen mähen oder beweiden. Beim Beweiden von Magerrasen mit Schafen, Ziegen oder Ponys sind dies zur Zeit mindestens 200,00 Euro/Jahr und Hektar. Auf den Flächen müssen u.a. folgende Bedingungen eingehalten werden:
 

  • keine Düngung
  • keine Zufütterung während der Beweidung
  • bei Mahd Abräumen (und möglichst Verwerten) des Mähgutes.

Im Landkreis Göttingen wurden im Jahr 2005 für Vertragsnaturschutz 46.000 Euro auf 324 ha Fläche ausgegeben (teilweise finanziert vom Land Niedersachsen). Auf vielen Flächen ist der Erfolg bereits nach wenigen Jahren sichtbar:

  • die Ausbreitung von Gebüschen auf Magerrasen geht zurück,
  • gefährdete Arten breiten sich auf solchen Flächen wieder mehr aus,
  • insgesamt nehmen die Artenzahlen zu, da düngeempfindliche Arten sich ausbreiten können (z. B. Kuckucks-Lichtnelke und Wiesen-Schaumkraut auf Feuchtwiesen, Salbei und Knöllchen-Steinbrech auf mageren Wiesen)
  • die aufwändige Pflege der Flächen z. B. mit Motorsensen kann reduziert werden
  • durch den Vertragsnaturschutz wird extensiv Fleisch produziert, ohne die Probleme, die z. B. mit der intensiven Rindermast einhergehen.


Seit 1995 werden die Verträge vom neu gegründeten “Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen” betreut und kontrolliert. Der Landkreis Göttingen macht fachliche Vorgaben, schließt die Verträge ab und finanziert sie.

Weitere Erläuterungen finden Sie im Faltblatt Vertragsnaturschutz oder bei der Dienstleistung Zuschüsse zur Pflege oder Beweidung/Mahd wertvoller Lebensräume.

 

Der Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen e.V. ist ein, 1994 auf freiwilliger Basis gegründeter, Zusammenschluss unterschiedlichster Interessen- und Gesellschaftsgruppen zur Erhaltung und Förderung von Vielfalt, Schönheit und Eigenart des ländlichen Lebens- und Wirtschaftsraumes.

 

Der Vorstand des Vereins ist paritätisch mit Vertretern/innen der Land- und Forstwirtschaft, der Naturschutzverbände und der Kommunalpolitik besetzt. Der Landschaftspflegeverband wird bei der Planung und Umsetzung von Naturschutz- und Landschaftspflegemaßnahmen als Interessenmittler zwischen diesen Gruppen tätig.
So koordiniert er seit 1995 im Auftrag des Landkreises Göttingen den Vertragsnaturschutz im Grünlandbereich. Weitere Projekte des Verbandes
sind u.a. die Erhaltung und Pflege von Streuobstwiesen, die Neuanlage von Streuobst-Sortengärten, die Wiederansiedlung des Leineschafes und die Wiederbelebung der Hüteschäferei im Landkreis Göttingen.
Weitere Informationen zum Landschaftspflegeverband erhalten Sie im direkten Onlineangebot oder über die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner der Geschäftsstelle im Kreisgebäude.

Das Grundprinzip der Eingriffsregelung lautet: Der Verursacher eines Eingriffs ist verpflichtet, Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu unterlassen. Unvermeidbare Beeinträchtigungen müssen ausgeglichen beziehungsweise ersetzt (kompensiert) werden.

Ersatzzahlungen können an die Stelle von Kompensationsmaßnahmen treten, soweit solche Maßnahmen nicht möglich sind.

Durch die Errichtung von Bauwerken werden in der Regel die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes sowie das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigt. Dies betrifft vor allem den Boden durch Neuversiegelungen.


Bei baulichen Maßnahmen im Außenbereich werden die nicht vermeidbaren Eingriffe in Natur- und Landschaft (wie Flächenversiegelungen, Gehölzbeseitigungen) bewertet und kompensiert. Dies geschieht zum Beispiel in Form von Begrünungsmaßnahmen mit standortgerechten heimischen Gehölzen, extensiven Nutzungen von landwirtschaftlichen Flächen oder durch den Rückbau von versiegelten Flächen. Die untere Naturschutzbehörde hat hierzu ein Informationsblatt erstellt. Hier finden Sie auch eine Liste der heimischen standortgerechten Laubgehölze und eine Obstsortenliste.

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